• Shattrath, Unteres Viertel, Interimsquartier der Garde, 15. Tag im 1. Monat


    Zaghaft klopfte der Bote an die Tür der Ratskammer der Garde, in welcher er - wie üblich - die Versorgungsoffizierin vermutete. Hohl klang das Klopfen durch den Raum, welcher für eine Einzelperson großzügig war, für die Ratssitzungen jedoch zunehmend beengt wurde.
    "Herein!" klang die klare Stimme der Sin'dorei durch das Holz. Zügig die Tür geöffnet, das Schreiben auf ihrem Tisch abgelegt, und schon war der Bote wieder verschwunden. Neugierig griff Oryczy nach dem Papier, entfaltete es und fand - verfasst in der ihr bekannten Handschrift des Kommandanten - genau einen Satz: "Wir sind in OG". Keine Begrüßung, kein Abschied, nicht mal ein verdammter Punkt am Ende!
    "DAS IST DOCH WOHL NICHT SEIN ERNST?!" begann sie zu toben, laut genug dass es den Boten noch erreichte und dieser nun zwei Stufen auf einmal nehmend sein Heil im blitzschnellen Verlassen des Interimsquartiers von Sylvanas Garde suchte. Derweil bezwang Oryczy nur mit Mühe den aufkeimenden Drang, die Notiz in tausend kleine Stücke zu zerreißen, seufzte hörbar und ließ sich wieder auf ihren Stuhl fallen. Das Holz knarrte protestierend, trug ihr Gewicht jedoch - definitiv kein Stuhl für Tauren. Sekundenlang starrte sie auf einen der fein säuberlich aufgeschichteten Papierberge auf ihrem Schreibtisch und ließ dann den Kopf hängen.
    Keine Verlustmeldung. Keine wirkliche offizielle Statusmeldung. Keine Anforderung von Gütern jedweder Art. Nur ein lapidares "Wir sind da." Was sollte sie sich daraus bitte nehmen? "Wir sind da und unter Beschuss, verschanzt irgendwo, unser altes Quartier brennt und fällt gerade in sich zusammen"? Oder war das eher ein "Wir sind da, arbeiten mit Vol'jins Streitkräften zusammen und haben unser Quartier weitgehend eingenommen?"
    Unangenehm lebendig meldete sich ihre Vorstellungskraft zu Wort und spielte verschiedene Szenen durch, bis sie das Schreiben auf den Tisch pfefferte und eilig die Ratskammer verließ. Sie benötigte dringend frische Luft.

    ~~ Leben vor Tod! Stärke vor Schwäche! Reise vor Ziel! ~~ (Das erste Ideal der Strahlenden, Brandon Sanderson, Die Sturmlicht-Chroniken)

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  • Östliche Königreiche, Insel der Sonnenwanderer, Schrein von Dath'Remar, 23. Tag im 3. Monat


    Der Moment in welchem die Priesterin – ihr bekannt als Tenebra – die Lichtkreis beschworen hatte, war tief in Oryczys Gedächtnis gebrannt. Die Einladung zur Lichtmesse hatte die Garde nur verzögert in Orgrimmar erreicht, dennoch war der Kommandant der Idee nicht abgeneigt, kurzfristig nach Silbermond zu reisen, um dann der Messe beiwohnen zu können. Von der Idee äußerst angetan, hatte Oryczy sich entschieden ihn zu begleiten, und einer spontanen Eingebung folgend hatte sie auch Cruenta von den Ältesten eine Nachricht zukommen lassen.


    Die Kleiderwahl war ihr dann seltsam leicht gefallen, denn anders als sonst hatte sie den Drang, eine helle Robe zu wählen. Leichter Stoff, ein lockerer heller Mantel, keine Waffen. Und so waren sie dann losgezogen, hatten den Nachmittag mit einer gemächlichen Anreise zum Schrein verbracht und spätestens mit Durchquerung der Tore von Silbermond und dem Eintritt in den Immersang konnte auch Oryczy aufatmen. Eine Spur Vorfreude war da, die für sie nicht ganz verständlich war, war ihr doch der Lichtglaube im eigentlichen Sinne nicht vertraut. Dennoch hallte in ihr eine altbekannte, warme Resonanz, die mit der Erinnerung an ein Heilritual vor einigen Jahren einher ging. Damals hatte sie gespürt was „Licht“ eigentlich bedeutete, und darin eine Wahrhaftigkeit erkannt, die sie tief beeindruckt hatte.


    Die Wirkung des frischen, in Rot und Gold getauchten Immersang tat sein übriges, um die Stimmung während des Ritts zu entspannen. Auch die Gegenwart einer Fremden, die sich später als Karui vorstellte, störte dies nicht. Beim Schrein angekommen waren sie dann zum ersten Mal seit Monaten wieder Tenebra begegnet, sah man einmal von dem flüchtigen Blick in der Pagode ab, welchen Oryczy mit der Priesterin getauscht hatte.
    Und dann hatte Tenebra zu sprechen begonnen, und alle – wirklich alle – waren in respektvollem Schweigen versunken. Kein lästiges Getuschel wie sonst, wenn so viele sich an einem Ort versammelten, keine bedeutungsschwangeren Gesten, kein Geraschel. Nur diese angenehme, klare Stimme, die von Hoffnung sprach, von Zukunft, von Zusammenhalt. Und dann war es als würde etwas Oryczys Seele berühren, sie bloß legen und in diese nahezu unerträgliche Helligkeit tauchen, schützend einhüllen und ganz ausfüllen. Was auch immer sie vermisste, was sie plagte, oder was ihr Sorgen bereitete wurde hinweggeschwemmt von gleißendem Licht. Ihre Wahrnehmung schränkte sich einzig auf dieses ein, der Schrein verschwand, die Zuhörer verschwanden, und auch Veneanar schien nicht länger neben ihr zu stehen. Dass sie mit geschlossenen Augen schwankend da gestanden hatte wurde ihr erst klar, als Cruenta ihren Arm ergriff um sie zu halten. Es war als hätte man ihr eine Ohrfeige versetzt und sie zurück auf den harten, kalten Boden der Realität gerissen, was sie im ersten Moment einfach nur unendlich verwirrt zurück ließ. Tief berührt und im Prinzip noch völlig neben sich stehend war sie dann nahezu willenlos ihren Begleitungen gefolgt, als diese sich zur Abreise bereit machten.


    Als sie so viel später endlich wieder allein in vertrauter Umgebung war, ließ sie die Messe noch einmal Revue passieren. Mit ungewohnter Klarheit war die Erinnerung in ihrem Kopf geblieben, und ein Hauch dieses warmen Gefühls begleitete die Bilder vor ihrem geistigen Auge. Es war wahrhaftig schön, aber in seiner unirdischen Art nur schwer greifbar für sie. Sich dieses Gefühl bewahrend schloss sie die Augen und schlief ein. In dieser Nacht gab es keine Träume, nur die erholsame Leichtigkeit des gleißenden Nichts.

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  • 03. Tag im 10. Monat. Silbermond.


    "Ich danke euch vielmals." Mit einem Lächeln nahm Oryczy die paar Kupferstücke Rückgeld von der Gastwirtin entgegen und griff mit einer Hand nach der Tasse dampfendem Minztee, mit der anderen nach dem Teller mit dem gebratenen Streifengelbschwanzfilet. Das Stück Brot auf dem Tellerrand balancierend verließ sie das Gasthaus in Richtung des königlichen Marktes und ließ sich auf einer Bank nieder. Noch trug sie eine einfache, unauffällige Robe in gedecktem grün und einer Spur rot, doch schon bald würde sie auf ihrem kleinen Zimmer im Gasthaus in wesentlich prächtigeren, teuren Stoff schlüpfen. Dabei war ihr nicht die Spur zum feiern zu mute und der anstehenden Herbstball auf Burg Schattenfang inklusive der kurzen Reise dort hin war vielmehr eine Last als ein Vergnügen.
    Dennoch hatte sie der Einladung Riokumas zugesagt, wie so viele andere Mitglieder der Garde ebenfalls. Nicht nur dass derlei gesellschaftliche Anlässe von Gardisten selten waren, nein, Riokuma war als Hochexekutor in den Reihen der Garde auch hochrangig und entsprechend angesehen. Nicht zu kommen käme also einer Beleidigung gleich. Zudem lag ihr tatsächlich etwas an jenem Sin'dorei, der bisweilen die neuen Rekruten höchstpersönlich ausbildete und dabei eine mehr als gute Figur machte. Zudem würde sich womöglich die Gelegenheit ergeben, seine Partnerin Elin Wolfsoul etwas näher kennen zu lernen.


    Vorsichtig nippte sie an dem Tee und genoss sichtlich die Wärme, die dieser von ihrem Magen scheinbar in den gesamten Körper hin ausstrahlte. Die Luft war merklich kühler geworden und Oryczy ziemlich selbstzufrieden darüber, dass sie an einen dicken, wärmenden Umhang gedacht hatte. Dieser würde ihr sicher gute Dienste leisten. Leider war das der einzig positive Aspekt an ihrem Ausflug nach Silbermond. Abgesehen davon dass die Stadt ihr immer noch aufzulauern schien und sie wie stets ein ungutes Gefühl in diesen Straßen begleitete, war sie auch mit ihren Nachforschungen keinen Schritt weiter gekommen. Es gab einfach keine Spuren. Keine Hinweise. Während sie nachdenklich auf einem Stück Fisch herumkaute und einen Happen Brot hinzu nahm, glitt ihr Blick zu einem der Gebäude am Markt. Dort oben gab es eine ihr wohlbekannte Fensterreihe, und für einen Augenblick hielt sie beim Essen inne und ihr Blick wurde grimmiger. Es gab keine Spuren. Vielleicht nie mehr...


    Mit einem resignierenden Seufzen wandte sie sich wieder ihrem Tee zu und setzte ihr Mahl fort, ein stückweit gedankenverloren und vielleicht etwas einsam wirkend.

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  • (ehe der Post jetzt wirklich wochenlang verzögert wird verzichte ich mal auf die Screenshots und nehme mir vor die später noch einzufügen ^^)


    6. Tag im 11. Monat, Orgrimmar


    Wenn auch die Garde zumindest Teile ihrer Truppen auf die Verheerten Inseln entsandt hatte, so war doch der Hauptstützpunkt der Garde noch immer im Tal der Ehre in Orgrimmar. Als Teil dessen, eingebettet in die Tiefen der Bürokratie die auch Quartiermeister Eldrias Schattenjäger bisweilen so quälten, war auch der Schreibraum der Versorgungsoffizierin.


    Dieser war an jenem Tag jedoch nur mit seelenlosem Papier gefüllt und verwaist, da Oryczy sich der Stadtführung durch Orgrimmar angeschlossen hatte. Eigentlich geplant als Strafe für höchst unpassendes Verhalten gegenüber Trollen wurde diese Führung der Orkfrau Sindris zu einem wahrhaftigen Ereignis. Insbesondere die ursprünglich ortsfremden Rassen der Garde schlossen sich der Gruppe an und durchschritten gemeinsam die Stadt, gewürzt mit pfeffrigen Anmerkungen der Führerin.
    Oryczy selbst, zu Beginn noch etwas streitlustig und kritisch den Kommentaren zu einzelnen Ortschaften gegenüber, wurde dann doch stiller und interessierter an ihrer Umgebung. Es war nicht so, dass sie sich nicht in all den Jahren nach dem Auszug aus Burg Schattenfang an die staubigen Straßen Orgrimmars gewöhnt hatte. Vielmehr brachte die Führung sie an Ecken der Stadt, in die sie sich normalerweise niemals verlief.


    Manche davon waren besonders abstoßend wie die Slums der Goblins, wo allein schon das Wasser zum Himmel stank und niemand ahnte welche Giftstoffe sich dort bereits im Boden angereichert hatten. Auch das Trollviertel erregte eher ihre Skepsis. Sie war mit einigen Trollen bekannt und hatte dabei sehr gute wie auch sehr schlechte Erfahrungen gemacht, was sie Vorsicht gegenüber Angehörigen dieser Rasse gelehrt hatte.
    Das Tal der Weisheit stand hierzu in krassem Gegensatz. Es waren nicht nur die Bewohner dieses Tals, die Tauren, die ihr als prinzipiell eher friedliebend bekannt waren, sah man einmal von gewissen Brülltauren namens Bradoc ab. Nein, auch die Umgebung, das klare Wasser, das einlullende Geräusch des Wasserfalls hatte es ihr spontan angetan. Sie entschied unter der Impression dieses Moments, künftig häufiger her zu kommen und tat für sich persönlich die Führung als einen Erfolg ab.


    Am Endpunkt angekommen regte sie zudem weitere Stadtführungen an, wobei verschiedenen Verlautbarungen nach Unterstadt das nächste Ziel sein sollte. Auch wenn sich die Dunkle Fürstin dieser Tage mehr den Verheerten Inseln widmete, so gab es doch bisweilen organisatorische Dinge mit anderen Großexekutoren abzuklären oder hinterlegte Befehle persönlich entgegen zu nehmen. Insofern lag es nahe, eine Gesandtschaft nach Unterstadt zu schicken und im Rahmen dieses Besuchs eine kleine Führung zu veranstalten.
    Den Kopf bereits voll mit Reisevorbereitungen verabschiedete sich die Sin’Dorei von der sich auflösenden Gruppe und strebte erneut dem Moloch ihres Schreibraums entgegen, während andernorts Gardisten die letzten Handgriffe vor einer weiteren Schlacht taten.

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  • Oryczy, derzeit mit einem feuersprühenden Hippogryphen aus den Feuerlanden unterwegs, trifft in Dalaran auf den verheerten Inseln auf Frostya, die ebenfalls ein solches Tier als Reittier benutzt - jedoch in einer sonderbaren violetten Farbe.


    [20:18] Ihr mustert Frostya von oben bis unten.

    [20:19] Frostya kichert Euch belustigt an.

    [20:19] [S] [Oryczy]: Ein edles Tier habt ihr da.

    [20:19] [S] [Frostya]: Es flog mir in Aszuna zu und wollte nicht mehr weichen

    [20:20] [S] [Frostya]: Aber Eures ist auch edel

    [20:20] Oryczy betrachtet die Federn von Frostya s Hippogryph und neigt den Kopf etwas nach unten, um auch einen Blick auf den Bauch des Tiers zu erhaschen.

    [20:20] [S] [Oryczy]: In Aszuna meint ihr? Ich habe schon davon gehört, dass diese violette Spielart dort zu finden ist, jedoch recht rar sein soll.

    [20:21] Oryczy neigt den Kopf und lächelt kurz ob des Kompliments für ihr Tier.

    [20:21] Frostya lächelt Euch an.

    [20:21] [S] [Oryczy]: Seid ihr bewandert mit dem Vorkommen der Hippogryphen in diesen grünen Landen?

    [20:22] Oryczy wirkt nun etwas nachdenklich

    [20:22] [S] [Frostya]: Um den Hippogryphen zu Gesicht zu bekommen, bedarf es des FIndens vom 5 Kristallen

    [20:22] Oryczy blinzelt kurz

    [20:22] [S] [Oryczy]: Fünf Kristalle meint ihr?

    [20:22] Frostya nickt Euch zu.

    [20:22] [S] [Oryczy]: Dann sind diese Wesen womöglich gar nicht so selten wie man ihnen nachsagt.

    [20:23] Oryczy 's Augen werden schmal

    [20:23] [S] [Oryczy]: Die Fürstin hat dafür sicher Verwendung im Eschental..

    [20:23] [S] [Oryczy]: Mit etwas Tarnung....

    [20:23] [S] [Frostya]: Das ist wahr

    [20:23] Oryczy 's Stimme wird zunehmend leiser, ihre Züge sind hochkonzentriert.

    [20:23] [S] [Oryczy]: Ich denke ich werde das mit dem Kommandanten besprechen.

    [20:24] Frostya grüßt Euch voller Respekt.

    [20:24] [S] [Oryczy]: Die Frage ist nur, wie man die Tiere wohlbehalten transportieren kann...

    [20:24] [S] [Oryczy]: Ihr wisst nicht zufällig, wie sie auf Portalreisen reagieren?

    [20:24] [S] [Frostya]: Die einzige Möglichkeit die Tiere unbeschadet zu transportieren wären Magierportale

    [20:24] [S] [Oryczy]: Sie sind recht groß, aber nicht so groß wie.. *murmelt vor sich hin*

    [20:25] Oryczy nickt Frostya beipflichtend zu

    [20:25] [S] [Frostya]: Bisher habe ich keine negativen Auswirkungen feststellen können

    [20:25] [S] [Oryczy]: Wir sollten das mit unserem Magierzirkel besprechen. Wir brauchen ein großes Portal - und ein Versuchstier.

    [20:25] Frostya nickt Euch zu.

    [20:26] [S] [Oryczy]: Sehr gut, Todespirscherin... Ihr habt mich da auf wahrlich sehr gute Gedanken gebracht!

    [20:27] [S] [Frostya]: Zu Befehl, Hochexekutorin

    [20:28] Oryczy streicht sanft durch die Funken schlagenden Feder ihres eigenen Tieres

    [20:28] [S] [Oryczy]: Ich werde umgehend Schreiben hierfür aufsetzen. Bitte entschuldigt mich.

    [20:28] Ihr grüßt Frostya voller Respekt.

    [20:29] Oryczy zieht sacht an den Zügeln ihres Hippogryphen, woraufhin dieser die Flügel ausbreitet. Die Funken sprühen förmlich, sind jedoch mit einem schwachen magischen Schimmer umgeben, sodass die Umgebung nicht in Brand geraten kann.

    [20:29] [S] [Oryczy]: Auf bald!

    [20:29] Frostya grüßt Euch voller Respekt.

    [20:29] Frostya winkt Euch zu



    Kurz darauf erreicht den Kommandanten ein Schreiben:

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  • Orgrimmar, im 8. Monat


    "Und so brennt der Himmel erneut. Und mit ihm brennt das Land, brennen Pflanzen und Tiere, brennt Leben. Hörst du ihr Ächzen und Stöhnen? Hörst du die Schreie, wie sie zu einem Klagelied verschmelzen..? Funken ziehen zu den Sternen hinauf, zeichnen Bilder des Verfalls an das Dach der Welt, ein jeder von ihnen eine weichende Seele. Ein Splitterstück Licht, wieder mit allem vereint und vom Fleisch befreit. Geschmolzen ist es von den Knochen, die ihr bleich und knackend in der Asche liegend finden werdet..."


    Schweißgebadet fuhr Oryczy aus dem Schlaf. Die Wärme war drückend, die Luft roch nach dem roten Staub von Orgrimmar und Zwielicht sickerte durch das Fenster in ihre Kammer. Wie eine zähe schwarze Masse klebte die Erinnerung an die Traumworte in ihrem Kopf. Die Stimme war ihr gänzlich unbekannt, aber das Bild welches sie vermittelte war überdeutlich: der Baum brannte...

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  • Orgrimmar, 15. Tag des 8. Monats


    Gab es in Azeroth jemals eine Zeit ohne Krieg? Nein, musste sie sich eingestehen. Und doch war es so, dass manche Zeiten einfach.. friedlicher erschienen als andere. Weniger Frontberichte, weniger Verlustmeldungen, weniger Ressourcen die hin und her transportiert werden mussten. Mehr Entdeckung und Forschung, gewürzt mit einer Spur archäologischer Befunde. Weniger erschreckende Nachrichten.

    Die letzten Tage waren jedoch gänzlich anders. Sie waren erfüllt von stets neuem Grauen, und selten hatte sie sich so sehr im Krieg gefühlt wie derzeit. Die halbe Welt schien sich gegen die Horde gestellt zu haben, und jedes Leben wirkte seltsam... im Ungleichgewicht, seit jene monströse Waffe ganz Silithus zu einer schwärenden Wunde hatte werden lassen.


    Die Sin'Dorei brach das nächste Siegel, die Botschaft stammte aus Unterstadt. Sie wusste was geschehen war, die Ereignisse waren von Zungen schneller voran getragen worden als papierne Berichte weitergereicht werden konnten. Und so war nicht überraschend was sie lesen musste, als sie das knisternde Blatt entrollte. Die Stadt ist verloren. Für immer.

    Wie betäubt ließ die Versorgungsoffizierin ihren Rücken an die Stuhllehne sinken und wirkte plötzlich irgendwie.. kleiner. Zierlicher, schmaler, fast zerbrechlich.

    Teldrassil gegen Unterstadt. Es war kein Tausch - es war Vernichtung, Vergeltung, eine Abwärtsspirale hinein in eine Pfuhl aus Gewalt und Tod. Ihr Blick glitt ins Leere, ihre Augen wurden dunkler, als hätte sich ein Schatten darüber gelegt. Gab es in alldem noch einen Sinn? Kommandant Veneanar mochte eine große Ansprache gehalten haben, gut gefüllt mit plausiblen Erklärungen für all das. Und die Gardisten hatten ihm zugejubelt, angespornt und neu beseelt von dem Gedanken an Rache, dem Wunsch nach der Vernichtung der Allianz. Oryczy war still geblieben. Sie hatte irgendwo zwischen den anderen Exekutoren der Garde gestanden, eine schlanke Elfe in unscheinbarem Stoff, deren Augen nichts als goldene Unergründlichkeit gewesen waren.


    Dies war jetzt anders. Sie empfand Trauer, und diese Emotion spiegelte sich überdeutlich in ihrer Mimik.

    Mit der ihr eigenen Sorgfalt erledigte sie den Papierkrieg, der sich seit dem Morgen auf ihrem Tisch gestapelt hatte. In den nächsten Tagen änderte sich jedoch etwas an ihrem Verhalten - sie war nicht länger allein. Eine Todespirscherin begleitete sie hierhin und dort hin, und die beiden schienen in ständigem Gespräch miteinander zu stehen, was im allgemeinen Chaos um die Rekrutierung der Goldenen Flotte für den Kampf gegen die Allianz jedoch kaum auffiel. Die Gardisten wurden zu Hauf gen Zandalar entsandt, und es wurde stiller und stiller im Hauptquartier...

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  • Orgrimmar, 25. Tag im 10. Monat


    Oryczy warf einen nachdenklichen Blick in ihre Kammer. Die Räumlichkeiten im Hauptquartier von Orgrimmar waren schon immer spartanisch gewesen, ganz nach Art der Orks. Dennoch hatte sie es geschafft, dem Raum einen gewissen Stempel aufzudrücken. Ihren. Er wirkte wie der Raum einer Frau, zudem aber auch übermäßig ordentlich, frei von der Schicht dünnen roten Staubs der in der Hauptstadt der Horde immer in der Luft lag. Dies war ihre Refugium gewesen. Jetzt war der Raum leer. Alles was sie nicht mitnehmen wollte war eingelagert worden und würde vermutlich nie von jemandem ohne ihre Hilfe gefunden werden. Sie war schließlich Versorgungsoffizierin von Sylvanas Garde, und damit lange für genau diesen Bereich verantwortlich. Jetzt würde er in den pelzigen Händen einer Pandarin liegen, die sie nun mehrere Wochen begleitet hatte und nach und nach die Bereiche ihrer vielfältigen Aufgaben kennen gelernt hatte.


    Diese Dame war auch dafür verantwortlich, dass sich Oryczys Pläne noch einmal geändert hatten. War sie in Gedanken lange in ihre Hütte in Winterquell zurück gekehrt, so hatte sich dies inzwischen geändert. Winterquell war frostig, und die Hütte mit ihrem Kamin damit ein ausgesprochen anheimelnder Rückzugsort voller glücklicher, zweisamer Erinnerungen. Ebenfalls ein Refugium, so wie es ihre Kammer gewesen war. Jedoch war Winterquell einfach unfassbar kalt, und die Hütte ausgesprochen klein. Erst die Gespräche mit der Pandarin hatten sie darauf gebracht, was sie wirklich wollte. Luft zum Atmen. Weite Hügel. Saftiges Grün. Und die Ruhe und Ausgeglichenheit, die ein integraler Bestandteil der pandarischen Kultur war. Darum würde ihr Ziel nicht die Enge und Kälte von Winterquell sein, sondern die ruhige Abgeschiedenheit des Jadewalds. Sie wollte zurück zu dieser Wegkreuzung, an der sie einst eine schicksalhafte Begegnung hatte. Sie würde allein sein - natürlich - aber in ihren eigenen Spuren wandeln und damit ein Stück in der Zeit zurück gehen und über den Moment nachdenken, an welchem sie falsch abgebogen war. Wohnen wollte sie an jenem Ort, der einem das Frückstück unter freiem Himmel ermöglichte. Ein leises Lächeln umspielte ihre Lippen bei dem Gedanken an diesen Flecken von Azeroth und die damit verwobenen Erinnerungen. Sie strich sacht über ihre Reisetasche, in welcher die schriftliche Zusage hierfür verstaut war. Der Kommandantur hatte sie ein Schreiben hinterlassen, nur für den Fall dass ihre Abwesenheit tatsächlich auffallen sollte. Würde sie aber nicht - die Pandarin war inzwischen eine würdige Offizierin und die Berührungspunkte mit der Kommandantur ohnehin nur minimal.


    Sie schloss die Tür, und das Geräusch des einrastenden Schlosses kam ihr unwirklich laut vor. Das letzte Mal? Vielleicht, vielleicht... entschlossenen Schrittes durchmaß sie das Hauptquartier in der Halle der Kriegshelden, besuchte kurz die wenigen Schlachtenheiler die noch im Quartier waren und mit denen sie viel zu tun hatte. Dann führte sie ihr Weg zu Sasoi, einer Verlassenen die ihr eine Art Freundin geworden war und ihr einmal sehr geholfen hatte. Einige Abschiede später trat sie hinaus in die nachmittägliche Sonne und mit jedem Schritt fort wurde ihr leichter und zugleich schwerer ums Herz. Hinaus aus der Stadt, hin zur Messerbucht. Hinaus auf die Wellen, den Wind in den Segeln, der Pfad führte gen Pandaria.

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  • Jadewald, 23. Tag im 4. Monat


    Tief sog sie den Duft von blühenden Bäumen, Gräsern und lauwarmen Wind in ihre Lungen, genoss das Aroma, die leichte, plätschernde Geräuschkulisse und lehnte sich nach hinten ins Gras. Der Himmel war unfassbar blau und das intensive Gefühl von Frieden hüllte sie ein wie ein Kokon. Vorsichtig streckte sie die Finger aus, scheuchte einen Grashüpfer auf und lächelte darüber versonnen. Wer sie sah würde trotz des intensiven Sonnenlichts einen leichten, hellen Schimmer auf ihrer Haut wahrnehmen, der ihr selbst nicht einmal bewusst war. Die Ausgeglichenheit ihrer Seele und das Loslassen so vieler negativer Emotionen hatte sie dem Licht auf eine Weise nahe gebracht, wie es sonst nur strenge Ausbildung oder die pure Notwendigkeit des Krieges getan hätten.


    Seit ihrer Ankunft in Pandaria und einem etwas holprigen Start war sie nach und nach ankommen in diesem Land - zum ersten Mal nicht als Besucherin, oder im Auftrag von Sylvanas Garde, sondern als... Bewohnerin. Sie hatte sich in die Gemeinschaft eingegliedert, Aufgaben übernommen die ihr lagen und ihr Freude bereiteten, sowie diverse andere einfache Tätigkeiten hinzu gelernt. So war sie zu einer versierten Anglerin geworden, hatte sich mit der einheimischen Flora und Fauna vertraut gemacht und eine zeitlang eine Alchemistin begleitet, um etwas mehr über Kräuter und deren Wirkung zu lernen. Die tatsächliche Zubereitung von Tränken jedoch war ihr schnell zu viel geworden, ein komplexes Wirrwarr aus Destillationsanlagen, Vorrichtungen zum Abtrennen von Niederschlägen, Extraktionen und Mazerationen. Viel einfacher fiel ihr die Zubereitung von Essen, wobei ihre fast kindliche Freude an Aromen und Geschmacksnoten die Pandaren der Gemeinschaft begeisterte. Essen war für dieses Volk essenziell für ein ausgeglichenes Leben - ein Umstand den sie nie begriffen hatte, ehe sie ihn zu leben begann.


    Bisweilen schwappten Nachrichten von Kul Tiras oder Zandalar nach Pandaria, jedoch waren diese für sie so unwirklich wie Geschichten, und der Ort des Geschehens so fern wie Draenor. Kein Mitglied der Gemeinschaft strahlte deswegen Sorge oder Angst aus, vielmehr war da eine Art Urvertrauen darin, dass sich alles fügen würde - auf die eine oder die andere Art und Weise. Genau dies hatte sie sich ebenfalls zu eigen gemacht, sich distanziert von allem was "dort draußen" geschah und ihre Welt verkleinert. Für den Augenblick sogar nur auf diesen Flecken saftigen Grases, gleich neben dem von Schmetterlingen umflatterten Weiher. Ein Ort des Lichts...

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  • Jadewald, 2. Tag im 6. Monat


    "Ori, Ori!" krähte die junge Pandarin fröhlich vor sich hin und stolperte fast über ihre Tatzen in dem Versuch, noch schneller die Treppen hinauf zu nehmen. Normalerweise hatten junge Pandaren auch in diesem Alter schon Rücksicht gelernt, wenn jemand im Schneidersitz meditierend dasaß, doch in diesem Falle war den Kind ein wichtiger Brief anvertraut worden, den sie dringend ausliefern wollte. Ihr Ziel war eine Blutelfe in weiten, dünnen Gewändern, welche luftig um ihren schmalen Körper flossen und hier und da Spiel des Windes waren.


    Mit ihrem Namen angesprochen blinzelte die Sin'Dorei, kämpfte sich zurück ins Hier und Jetzt und wandte sich zu dem Kind um. Die Kleine war schnaufend und gleichzeitig strahlend auf der obersten Stufe angekommen und wedelte mit dem Papier, in dessen Ecke sich die kleinen Krallen inzwischen verfangen hatten. "Da ist ein Brief für dich!" verkündete das Mädchen stolz, und Oryczy konnte nicht anders als dieses Lächeln erwidern.

    "Na dann gib mal her und wir schauen, was darin steht, ja?" erklang die warme Stimme der Elfe. Sie klopfte auf das Gras neben sich und zupfte das Papier aus der kleinen Tatze. Die Kleine klatschte nun erwartungsvoll in die Hände und zuckte mit den Ohren. Als die Elfe das Siegel des Briefes sah, gefror das Lächeln auf ihren Lippen. Sylvanas Garde. Die Post stammte aus Orgrimmar. Sie zerbrach das Wachs und entrollte das Pergament, aber sah im ersten Moment nur verschwommene Zeilen. Dann wurde die Schrift vor ihrem Auge scharf:


    "Hochexekutorin..."

    Allein die Anrede sandte einen frostigen Schauer über ihren Rücken. Sie war nie offiziell zurückgetreten, sondern hatte ihre Aufgaben halb unter dem Radar der Kommandantur an Maryka übergeben und war abgereist. Dennoch sträubte sich alles in ihr gegen diese Anrede...

    "... Der Kriegshäuptling der Horde - Sylvanas Windläufer - hat sich nach einer Konfrontation vor den Toren Orgrimmars zurückgezogen. Ebenso gilt Kommandant Veneanar als vermisst. Die Leitung von Sylvanas Garde wurde umstrukturiert und es steht ein Umzug nach Burg Schattenfang an. Bitte richtet etwaigen künftigen schriftlichen Kontakt an unseren Standort im Silberwald."

    So nüchtern, so effizient.. im Stillen beglückwünschte sie sich für die Wahl ihrer Nachfolgerin, welche im unteren Teil des Briefes - deutlich kleiner geschrieben - auch noch persönliche Worte verfasst hatte:

    "Ich habe schon eine Weile nichts mehr von meiner Familie gehört und bin besorgt, da die Unruhen im Tal der Ewigen Blüten anhalten. Könntet Ihr nach Ihnen sehen und Ihnen die herzlichsten Grüße von mir übersenden? Gebt gut auf Euch acht, ich habe die Lage hier hervorragend im Griff. Der Silberwald wird ein ganz neuer und noch dazu sehr geschichtsträchtiger Ort für mich, den kennen zulernen ich sehr gespannt bin."


    Etwas roh wurde die Elfe in die Seite gepufft. "Was steht denn nun drin??" Aufgeregt rückte die kleine Pandarin näher, konnte jedoch noch nicht selbst lesen.

    Oryczy rollte das Pergament wieder ein, legte es neben sich und presste es mit der Hand platt, sodass das Papier knisterte. "Das ist nichts für deine Ohren, fürchte ich." Erwiderte die Elfe nun, zupfte mit der freien Hand an einem der flauschigen Ohren des Mädchens und machte sich gedanklich frei von dem eben Gelesenen. "Aber ich erzähle dir gern eine andere Geschichte..."


    Und so saßen sie dort, zu zweit, mit Blick auf den saftig grünen Jadewald, während Herrscher sich erhoben, Prinzessinnen geraubt wurden, und eine kühne Frau einen Drachen ritt.

    Das Pergament wurde inzwischen durch den engen Bodenkontakt langsam feucht und weich, während die Zeilen zunehmend verschwammen...

    ~~ Leben vor Tod! Stärke vor Schwäche! Reise vor Ziel! ~~ (Das erste Ideal der Strahlenden, Brandon Sanderson, Die Sturmlicht-Chroniken)

  • Beitrag von Isa ()

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  • Isa

    Hat den Titel des Themas von „Oryczy Test“ zu „Oryczy“ geändert.