Dunkelheit (Patch 5.4)

  • Shattrath als Ort für das neue Hauptquartier erwies sich als klug, ist man doch weit genug entfernt um von dem Konflikt nicht beeinträchtigt zu werden. In der Tat sieht man wenig Gardisten auf den Schlachtfeldern des Brachlands. Gleichzeitig wurde die Bande zu den Handelspartnern verstärkt und die Goblins erfreuen sich einer nie dagewesenen Menge an Aufträgen für Vorräte und Waffen. Und so residiert Sylvanas Garde im Fluchtquartier scheinbar unbeteiligt am Bürgerkrieg; Ist das die Ruhe vor dem Sturm?


    Ein Ereignis indes könnte alle bisherigen Pläne gefährden.... [weiterlesen]


    Einer der Höhepunkte wird der gemeinsame Sturm auf Orgrimmar sein, ein Gemeinschaftsprojekt mit den anderen RP-Gilden der Forscherliga. Doch bis dahin ist noch viel zu tun....

  • Shattrath, Unteres Viertel, 8. Tag im 11. Monat


    Das Chaos auf Oryczys eindeutig zu kleinem Schreibtisch näherte sich mit der Zeit einem kritischen Zustand. Es stapelten sich Marschbefehle, Frontberichte, Spähberichte und Lieferlisten neben Finanzinformationen und dem persönlicheren Briefverkehr der Verwaltung mit den Ratsmitgliedern, so denn diese außerhalb des Hauptquartiers waren. Zu viel. Einfach. Viel. Zu. Viel.
    Mit einem ergebenen Seufzen zog sich die Sin'dorei einen der größeren Stapel heran und begann, diesen durchzugehen. Die Zeit schien - wie üblich wenn sie sich so in die Arbeit vertiefte - plötzlich schneller zu laufen und aus dem ewigen Trüb des Tages wurde Zwielicht, wurde Dunkelheit. Schließlich fiel ihr ein Pergament in die Hand, welches sich durch seine zahlreichen Eselsohren und Knicke als eines älteren Datums auszeichnete. Neugierig überflog sie den Text, der in ihrer eigenen Handschrift verfasst worden war. Mit jeder weiteren Zeile schienen ihre Gesichtszüge bekümmerter. Der Empfänger des Briefes war Selca, Häuptling der Hüter der Erde. Und er hatte das Hauptquartier der Garde nie verlassen.


    Nur vage erinnerte sich Oryczy zurück an Veneanars Ablehnung ihrer Idee, bei dem sich bildenden Widerstand die Hüter der Erde mit einzubeziehen. Also hatte sie lediglich zum Anduri Stamm Kontakt aufgenommen, doch so vielversprechend das Gespräch mit Zirchà auch verlaufen war, so enttäuschender war das darauf folgende Schweigen aus dem Dschungel. Der Kommandant war stets misstrauisch, aber im Falle von Selca war das Misstrauen auch begründet, nämlich mit deren Haltung zum Gipeltreffen, welches vergangenen Herbst noch in Orgrimmar stattfand. Ein Jahr war dies nun her.. so vieles hatte sich geändert.
    Zunächst war der Widerstand nur eine Idee gewesen, dann eine kleine Gruppierung, eine Splittergruppe von Personen, die sich gegen Garrosh zu stellen gedachten. Oryczy selbst hatte sich daran beteiligt, hatte an der Schädigung von Garroshs Nachschüben geplant und gemeinsam mit Jiastanna Sonnengleiter Brandbriefe gegen die Kriegshäuptling optimiert. Bis zu dem Tag wo man nicht mehr ignorieren konnte, dass dritte Parteien im Spiel waren, und es Verräter innerhalb der Gruppierung geben musste.
    Zugunsten der Sicherheit der Garde - wie auch ihrer eigenen - hatte sie sich zurückgezogen, wie sich auch die Garde aus Orgrimmar zurückziehen musste. Die Garde der Dunklen Fürstin hatte ihre Hauptsitz nach Shattrath verlegt, eine Entscheidung die sich als absolut richtig herausgestellt hatte. Nur kurze Zeit später war Orgrimmar endgültig in den festen Händen der Kor'kron, welche rücksichtslos jegliche Gegenstimmen zum Schweigen gebracht hatten und die staubigen Straßen mit Blut tränkten.


    Es zeigte sich bald, dass die kleine Gruppe Widerständler nicht die einzige war. Es gab zahlreiche, und je grausamer Garrosh urteilte, umso weniger versteckte man sich mit seinem Gedankengut. Es war nicht gänzlich geklärt, was genau der zündende Funke gewesen war, der aus dem schwelenden Groll eine offene Konfrontation hatte werden lassen. Innerhalb kürzester Zeit wurde das nördliche Brachland zum Schauplatz eines Guerillakrieges, der mehr und mehr in geordnete Bahnen gelenkt wurde und die Kor'kron gen Durotar trieb, bis man schließlich vor den Toren Orgrimmars stand.
    Als diese Meldung das Hauptquartier in Shattrath erreichte, hielt den Kommandanten nichts mehr in der Scherbenwelt. Er war förmlich versessen darauf, das alte Hauptquartier zurück zu erobern, stellte sich eine kleine Spezialeinheit für diese Mission zusammen und machte sich auf die Reise.


    Dies war nun schon Wochen her, und die einzige Nachricht war jene, dass die Truppen in Orgrimmar eingefallen waren. Es war still geworden im Hauptquartier, da die meisten Gardisten im Kampf um Orgrimmar oder in der Privatmission der Garde unter dem Kommando Veneanars unterwegs waren. Oryczy sorgte sich nicht um die Einheit. Auch wenn Assimya - die Teil der Spezialeinheit war - bei weitem keine so exzellente Portalmagierin war wie Jiastanna, so sollten doch ihre Fähigkeiten genügen um einen zügigen Rückzug zu ermöglichen. Oder wenigstens eine Nachricht zu senden...


    Der Gedanke der Sin'dorei wurde von dem hellen Lachen eines Draenei-Mädchens unterbrochen, welches gemeinsam mit einem Trolljungen und einem Sprössling der Menschen am Hauptquartier vorbeitollte. Kurz ruhte der Blick aus den felgrün schimmernden Augen auf den Kindern, der alte Brief an Selca glitt leise raschelnd in den Papierkorb. Ob diese Generation Frieden in der Welt erleben würde? Sie wünschte es ihnen. Wünschte ihnen einen Erhalt jener kindlichen Unbeschwertheit, jenes naiven Glücks, dessen Bewahrung mit dem Sturz des irren Kriegshäuptlings beginnen würde...


    (c) 08.11.13 by Oryczy

    ~~ Leben vor Tod! Stärke vor Schwäche! Reise vor Ziel! ~~ (Das erste Ideal der Strahlenden, Brandon Sanderson, Die Sturmlicht-Chroniken)

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  • Orgrimmar, Tal der Ehre, 17. Tag im 7. Monat


    Der Tag war angebrochen, und wenn auch die Sonne sich noch nicht über den Horizont gekämpft hatte, so tauchte sie doch Orgrimmar bereits in ihr rötliches Licht. Der nahezu überall vorhandene Staub begann bereits, in der Luft zu flirren und versprach einen weiteren heißen Sonnenumlauf in der umkämpften Hauptstadt der Horde. Argwöhnisch betrachteten die sonst stets feindlich zueinander gesonnenen Lager der Horde- und Allianzvertreter einander, doch abgesehen von wenigen Scharmützeln war das Ziel ein gemeinsames: Nach dem Einnehmen der Oberfläche der Stadt gehörte nun auch der Flammenschlund als Höllschreis letzter Rückzugsort ausgeräuchert.
    Die meisten Gebäude der Stadt waren zumindest leicht von Belagerungsmaschinen beschädigt, dienten jedoch nach einer Räumung des Schutts nun als Unterkunft für viele einzelne Einheiten. Eines der größten Gebäude, im Tal der Ehre liegend und damit zu den leicht beschädigten gehörend, war erneut von Sylvanas Garde besetzt worden, kaum dass die Stadt von den Belagerern überrollt worden war und sich die Verteidiger des rücksichtslosen Kriegshäuptlings in den Untergrund zurückgezogen hatten.


    Die Garde galt als gut organisiert und hatte die Wiedereinnahme des mächtigen Gebäudes durch die Einrichtung eines jedermann zur Verfügung stehenden Lazarettteils im Erdgeschoss gerechtfertigt. Dort waren bereits in den frühen Morgenstunden erfahrene Heiler auf den Beinen, welche weniger gelehrte Gehilfen anwiesen Verbände zu wechseln und den Kranken bei der ersten stärkenden Mahlzeit des Tages zu helfen.
    „Und das ist alles?“ Die klare Stimme gehörte zu einer Sin’dorei, welche mit einer Schlachtenheilerin soeben die Zahl der Verletzten und Art der Verletzungen aus dem Kämpfen der letzten Nacht durchgegangen war. Die Heilerin nickte knapp, ihre Gesichtszüge waren vom Krieg zur Unergründlichkeit geformt. „Wir brauchen also dringend neues Silberblatt, Friedensblume und…“ kurz stockte sie und warf mit gerunzelter Stirn einen Blick auf ihr Pergament. „…und Wilddornrose.“ Die Heilerin bestätigte dies und ergänzte in gedämpften Tonfall: „Schwarzer Lotus wäre noch gut. Es dient als sehr starkes Schmerzmittel und muss wegen der hohen Giftigkeit unter Verschluss aufbewahrt werden. Für manche würde der Lotus es leichter machen.“ Die Emotionslosigkeit in der Stimme mochte nicht so recht zum leicht kryptischen Inhalt der Worte passen, welcher die Sin’dorei gedanklich sofort zu den am schwersten verletzten Patienten brachte. Die, die es vielleicht nicht schafften...


    ‚Krieg fordert Opfer‘ rief sie ihre Gedankengänge zur Räson, ergänzte den Lotus auf ihrem Pergament und wandte sich von der Heilerin ab, um die Kräuternachlieferungen zu organisieren. Mit zügigen Schritten strebte sie die Treppen hinauf, setzte in ihrem Zimmer ein Bestellschreiben auf und versiegelte dieses sorgfältig. Nach Abschluss dieser Tätigkeit griff sie geschäftig nach den langen Listen, in welchen Name und Besoldung sowie Zustand und Aufenthaltsort der Gardisten vermerkt war. Die eben durchgesprochenen Namen erhielten alle entsprechende Vermerke zu Gesundheit und geschätzten Ausfallzeiten, parallel dazu fertigte sie ein Schreiben an den Kommandanten mit der aktualisierten Truppenstärke an. Noch für den Abend war eine Taktikbesprechung geplant, die das weitere Vorgehen gegen Garrosh betraf.
    Mit der Feder über dem Papier schwebend sog sich ihr Blick plötzlich in der Liste fest. ‚Sonnengleiter, Jiastanna‘ stand dort, ‚Magistrix, ausgezeichnete Portalmagierin‘. Die Sin’dorei schloss kurz die Augen und zwang sich dann, auch das Ende des Eintrags zu lesen. ‚Aufenthaltsort: Zeitlose Insel. Fehlende Rückmeldung, Status: verschollen.‘ Wieder kroch dieser unangenehme Schauer über ihren Rücken, was durch die ähnlich gearteten Eintragungen eine Zeile über Jiastanna unter ‚Sonnengleiter, Aradil‘ nicht unbedingt besser wurde. Nur die wenigsten Gardisten blieben auch verschollen, von den meisten wurden zumindest Überreste gefunden…
    Von dem Gedanken unangenehm überwältigt schob sie die Listen beiseite, ergänzte die letzten Namen auf dem Schreiben an den Kommandanten und brachte es in einem Anflug von Fluchtinstinkt höchstpersönlich und im Eilschritt hinauf in die Kommandantur.
    Den diensthabenden Wachoffizier gegrüßt und das Papier zurecht gelegt widerstrebte es ihr, zurück in ihr Zimmer zu gehen, ganz so als würde die Liste mit den so innig vertrauten Namen spitze Krallen haben. Stattdessen bog sie auf das obere Außengelände ab, welches sich im zweiten Stockwerk vollständig um das Gebäude zog. An der Seite klirrten Waffen, während ein Unteroffizier Befehle knurrte, scheinbar war eine frühe Übung im Gange. Sie wählte die andere Seite, und das Aufeinandertreffen von Metall auf Metall klang plötzlich viel gedämpfter. Die Ellenbogen auf die Balustrade gestützt ließ sie den Blick über Orgrimmar schweifen. Der triefend freundliche Singsang eines Goblins klang verzerrt zu ihr hinauf, scheinbar versuchte da ein Frühaufsteher schon gute Geschäfte zu machen. Und langsam, ganz langsam blinzelte auch die Sonne zwischen den scharfkantigen roten Felsen hindurch, welche die Hauptstadt so sicher bargen. Ein neuer Tag. Nur ein weiterer Tag im sich kaugummiartig ziehenden Kampf gegen Kor’kron, hinterhältige Goblinkonstrukte und allzu treue Anhänger Höllschreis. Wann würde das alles endlich enden?!


    (c)16./17.07.14 by Oryczy

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