• Offizieller Beitrag
    Inhaltsverzeichnis
    1. Heimat

    -kurz vor dem Angriff auf Dazar'alor-

    Heimat

    „Der Brief stammt direkt von Pestrufer“ zischte der Bote leise, als er Veneanar ein Schreiben auf den Tisch warf. Er verschwand so schnell und kaum bemerkbar wie er im Büro des Kommandanten erschien. Der Kommandant legte das Soldbuch beiseite, welches er eigentlich schon längst hätte abzeichnen sollen, und fast genau mit dem Trommelschlag der ersten Nachtstunde begann er zu lesen.


    „Herr Falkenbann!“, begann Veneanar zu lesen und sofort regte sich Unmut. Er hatte diesen Namen doch lange abgelegt, war nur noch als Hauptmann später dann als „der Kommandant“ bezeichnet worden. Wütend verkrampfte er seine Faust. Auf Pestrufer war er noch nie gut zu sprechen gewesen und nun dieser Affront.


    „Eine Frechheit! Ich und Adel? Und dann auch noch Gilneas? Bei diesen Halbwesen, die ständig rebellieren? Wahrlich ich weiß das ganz genau zu schätzen.“ fluchte Veneanar leise und rief dann nach seinem Sekretär. „Coldron!“


    Doch der Sekretär kam nicht. „Tesur!“ rief Veneanar nach seinem Wachoffizier. „Wo ist Coldron?“ blaffte er den Tauren an, kaum dass er die Tür geöffnet hatte. „Ich habe ihn seit vielen Stunden nicht gesehen“ murmelte der große Wachoffizier leise. „Dann geh in seine Kammer und schau nach wo er ist.“


    Als Tesur auch nach mehreren Minuten nicht wiedererschien, machte sich der Kommandant selbst auf den Weg. Tesur stand vor der geöffneten Tür zum Sekretariat und starte auf den Goblin, der zusammengesackt und regungslos auf seinem Stuhl kauerte. Eine überraschend große Blutlache unter ihm.


    Veneanar wurde blass und hielt kurz inne. So viele Jahre, fast eine Dekade stand dieser Goblin nun in den Diensten der Garde. Treu ergeben. Begleiter durch dunkle Zeiten aber auch großen Momenten. Der Elf verharrte in seinen Gedanken an die letzten Jahre. Gut waren sie. Trotz Schwierigkeiten. Sehr gut waren sie.


    Eine Bewegung in den Schatten, ein leichter Wind in den schweren Vorhängen riss ihn aus seiner Starre. „Holt meine leichte Rüstung etwas Proviant und sattelt mein Pferd“ sprach er Tesur an, der zusammenzuckte und sich scheinbar mühsam auf den Weg machte.


    „Es bleibt keine Zeit, es bleibt einfach keine Zeit“ wie ein Mantra wiederholte er diese Worte, denn all die Jahre der Sorge, die sich in mit der Zeit in Paranoia verwandelte, brachen plötzlich über ihn herein. Getrieben wie ein Tier, gehetzt wie Beute, Angst um alles was im Lieb und Teuer war. Mechanisch packte das was ihm gerade einfiel. Im letzten Moment plünderte er noch seine Goldtruhe – viel hatte sich nicht angespart. Dann rannte er panisch durch die Korridore.


    Tesur wartete mit den Reittieren. Zwei Reittieren. Veneanars Skeletpferd und Tesurs Kodo, der kaum unter dem Berg an Säcken, Planen und Kisten zu erkennen war. Der Anblick des verschnürten Tieres ließ den ehemaligen Kommandanten kurz schmunzeln und die Erinnerung an unbeschwerte Zeiten holte ihn für einen Moment in das Hier und Jetzt zurück. „Tesur, du bleibst“, flüsterte er. „Nein, ich begleite Euch. Immer. Wohin Ihr auch geht“ – „Diesmal ist es etwas anders. Gefährlich. Ohne Rückkehr.“ – „Ich komme mit Euch, Kommandant“ beharrte der Taure. „Du verstehst nicht, ich bin nicht länger Kommandant. Und du begibst dich in große Gefahr, wenn du bei mir bleibst. Hier bist du in Sicherheit. Beschütze die anderen Offiziere! Das ist ein Befehl!“ – Tesur dachte einen Moment nach. „Nicht mehr der Kommandant, wie? Dann muss ich nicht gehorchen“. Veneanar verzweifelte, er hatte keine Zeit sich mit Tesur auseinanderzusetzen. Er wurde lauter und Angst schwang in seiner zitternden Stimme: „Bleib. Das ist mein letzter Befehl.“ Tesur ignorierte den Blutelf und kletterte auf den Kodo. „Du sollst bleiben!“ Aus Angst wurde Wut und Veneanar fasste an sein Schwert. Doch auch Tesur wurde langsam wütend. Es war seine Aufgabe den Kommandanten zu schützen. Schon immer. Er schaute auf seinen alten Herrn und erwiderte zornig: „Hast du vergessen, was du meiner Mutter versprochen hast? Du gehst nicht ohne mich“.

    Die große Trommel im Tal der Geister schlug zur dritten Morgenstunde als sich Veneanar ein letztes Mal umsah, sich an die vielen wunderbaren Begegnungen erinnerte. Mit tränennassen Augen verschwanden beide schließlich in der Dunkelheit.

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